
Finanzierungsrunde für Wiener ADC-Entwickler Valanx – CEO im Gespräch
VALANX Biotech hat in einer Serie A-Finanzierungsrunde 3 Mio. Euro erhalten, um ein ADC gegen das Zielmolekül LIV-1 bei dreifachnegativem Brustkrebs voranzubringen. Noch befinden sich die Entwicklungen im präklinischen Stadium. CEO Michael Lukesch hat mit |transkript über den bisherigen Weg gesprochen.
Die Wiener VALANX Biotech GmbH hat 3 Mio. Euro in einer ersten Finanzierungsrunde eingesammelt, um ihr führendes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC)-Programm weiterzuentwickeln. Neue Investoren sind die Foundation Fournier-Majoie und die FUJIFILM Corporation, die sich bestehenden Kapitalgebern wie xista science ventures, tecnet equity, SOSV sowie den Angel-Investoren Urs Spitz und SkyGene anschließen.
Mit der Finanzierung soll die präklinische Entwicklung von VLX-ADC-001 vorangetrieben werden, einem ADC, das auf LIV-1 für die Behandlung von metastasiertem Triple-Negative-Breast-Cancer (mTNBC) abzielt. Die Kandidatenauswahl ist für Juni 2026 geplant. Gleichzeitig werden GMP-Vorbereitungen sowie Partnerschaften für die firmeneigene GoldenSite™-Konjugationsplattform unterstützt. Im Zuge der Finanzierungsrunde wurde Ana Maricevic als Vertreterin der Foundation Fournier-Majoie in den Vorstand von VALANX berufen.
Das ADC-Feld ist weit fortgeschritten
ADC-Therapien gelten als transformative Klasse in der Onkologie. Sie verbinden die gezielte Bindung von Antikörpern mit hochwirksamen Wirkstoffen, wodurch Tumorzellen selektiv angegriffen werden können. Eine der größten Herausforderungen bei ADCs ist die Kontrolle von Nebenwirkungen bei gleichzeitig hoher Wirksamkeit. Hier setzt die GoldenSite-Plattform von VALANX an: Sie ermöglicht eine präzise und reproduzierbare Konjugation am gewünschten Bindungspunkt, was die therapeutische Wirksamkeit verbessern und das Nebenwirkungsprofil optimieren kann.
Michael Lukesch, Gründer und CEO von VALANX, betonte: „LIV-1 ist ein vielversprechendes Ziel bei mTNBC. GoldenSite erlaubt uns, die Position der Konjugation präzise anzupassen und so das therapeutische Fenster unserer Wirkstoffkandidaten zu optimieren. Unser Ziel ist es, VLX-ADC-001 bis Juni 2026 auf ein solides präklinisches Datenpaket zu bringen und gleichzeitig GoldenSite für GMP und Partnerschaften voranzutreiben.“
Ana Maricevic von der Foundation Fournier-Majoie ergänzte: „VALANX adressiert ein zentrales Problem im ADC-Feld – die Kontrolle von Toxizität, um größere Wirksamkeit freizusetzen. Wir unterstützen die Weiterentwicklung von VLX-ADC-001 zusammen mit Fujifilm und den bestehenden Investoren.“
ADC-Therapien: Ein Blick auf den Markt
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate haben in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit erhalten. Mit mehreren zugelassenen Produkten und einer Vielzahl an klinischen Programmen gelten ADCs als eines der vielversprechendsten Felder in der Onkologie. Im europäischen Raum haben zuletzt hohe Finanzierungsrunden oder finanzschwere Partnerschaften in dem Bereich für weitere Aufmerksamkeit gesorgt. Etwa die deutsch-französische Emergence Therapeutics, die kaum gegründet, schon von Eli Lilly für einen dreistelligen Millionenbetrag aufgekauft wurde. Oder deren französisches Nachfolgeprojekt Adcytherix, das innerhalb weniger Jahre bereits ein Finanzierungsvolumen von über 130 Mio. Euro einwerben konnte. Nicht zuletzt erhielt die Münchner Firma Tubulis in mehreren für Deutschland rekordverdächtigen Finanzierungsrunden insgesamt bereits über 540 Mio. Euro. Herausforderungen bleiben insbesondere die Reduzierung von Nebenwirkungen, die Optimierung des Wirkstoff-zu-Antikörper-Verhältnisses und die Kontrolle der Bindungsstelle. Plattformen wie GoldenSite könnten hier einen entscheidenden Vorteil bieten, indem sie die Herstellung präziser, reproduzierbarer und wirksamer ADCs ermöglichen.
In einem exklusiven Gespräch mit |transkript.de äußerte sich der Valanx-CEO und -Mitgründer Michael Lukesch über die Anfänge bis zur aktuellen Strategiefindung.
|transkript.de: Herr Lukesch, Valanx definiert sich hauptsächlich über die Linker-Technologie zur Verknüpfung des Payloads an den Antikörper. Nun gibt es da ein breites Feld von ADC-Firmen, die mehr aus der Payload-Ecke kommen oder den Antikörper sehr gut verstehen. Ist so ‚ein‘ Puzzlestein wie der Linker ausreichend für die ganze weitere Entwicklung oder woher holen Sie die Kompetenz, den ganzen Wirkstoff zu bauen?
Michael Lukesch: Wir sehen in der Tat, dass unser ‚Puzzlestein‘ und zwar die korrekte Positionierung der Linker-Payloads am Antikörper, einen, wenn nicht sogar den Unterschied macht im präklinischen Profil unserer ADCs. Trotz aller Erfolge und Durchbrüche, die ADCs natürlich zeigen konnten, kämpfen viele ADCs in der Klinik nach wie vor mit schweren Nebenwirkungen. Das führt zu Dosiseinschränkungen und einhergehend damit oft eingeschränkter Wirksamkeit. Unsere GoldenSite-Technologie ermöglicht es, die gesamte Payload in der Struktur des Antikörpers zu ‚verstecken‘, was zu stark reduzierten Off-target-Interaktionen des ADCs und stabiler Kopplung des Wirkstoffs führt. Das wiederum hat eine bessere Verträglichkeit, eine höhere Dosierbarkeit und damit Effektivität zur Folge. Wir konnten das präklinisch bereits gut zeigen, die Funding-Runde bringt uns nun auf den Weg Richtung Klinik.
|transkript.de: Das Feld bei ADCs ist aber schon sehr weit vorangeschritten. Ist Valanx, mit allem Respekt, ein Spätzünder? Warum sehen Sie Ihren Ansatz als eine erfolgversprechende Differenzierung vom Feld?
Lukesch: Das sehen wir anders. ADCs stehen, wenn man das Kombinationspotential aus Targets, Proteinmodalität (Antikörper, Fragment, Nanobody etc.), Linker, Payloads, Payloadkombinationen und Konjugationsstelle betrachtet, noch ganz am Anfang. Gleichzeitig ist natürlich Tatsache, dass derzeit um die tausend ADCs als in Entwicklung aufgeführt werden – allerdings viele Moleküle als ‚me-too‘ ohne echte Differenzierung. Unsere präklinischen Daten weisen darauf hin, dass wir mit GoldenSite einen wertvollen Beitrag liefern, um die Toxizitäten der ADCs in den Griff zu bekommen – eine Differenzierung, die vom Feld sehr gut aufgenommen wird. Außerdem ermöglicht es unsere Technologie, nicht nur Antikörper, sondern auch Peptide, Antikörperfragmente, Nanobodies und Weiteres zielgenau zu konjugieren. Das ermöglicht uns Designmöglichkeiten für weitere Assets, die den meisten Mitbewerbern nicht zur Verfügung stehen und die auch eine starke Differenzierung darstellen.
|transkript.de: Ist Ihnen damit das Payload nicht ganz so wichtig, da Sie mit der Technologie alles anbinden können?
Lukesch: Das ist richtig. Toxine, Cytokine, Chelatoren, PEGs und vieles anderes mehr.
|transkript.de: Schauen Sie trotzdem auf ganz bestimmte Toxine oder vielleicht auch auf Isotope als Radiopharma-ADC?
Lukesch: Vieles an erprobten Payloads im ADC-Feld ist mittlerweile frei ‚off-the-shelf‘ verfügbar, und wir haben proof-of-concepts mit all diesen Payloads. Radioisotope würden wir derzeit nur in Partnerschaft machen, da hier die Entwicklung und Supply Chain gewisse Komplexitäten mit sich bringt.
|transkript.de: Die Finanzierungsrunde ist ein Anfangserfolg in schwierigen Zeiten. Wie sieht es mit weiteren notwendigen Finanzierungen aus?
Lukesch: Ja, das Biotech-Finanzierungsumfeld ist nach wie vor eher gedämpft, das haben wir auch so erlebt. Aber ganz langsam ist da ein wenig Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Wir sind bereits im Austausch mit Investoren für Folgefinanzierungsrunden und stoßen auf positive Resonanz. Deswegen sind wir auch für die Zukunft sehr zuversichtlich.
Michael Lukesch hat Valanx Biotech 2017 mit einem später ausgeschiedenen Partner als Spin-out der Universität Graz gegründet. Während der Doktorarbeit gelang ihm die Entwicklung einer synthetischen Aminosäure, die sich über Click-Chemie zur Kopplung von unterschiedlichsten Partnermolekülen eignet. Gemeinsam mit Partner Georg Altenbacher ging es dann mehrere Jahre im Technologiepark ISTA in Klosterneuburg nördlich von Wien in zahlreichen Experimenten darum herauszufinden, auf welches Kerngebiet die junge Firma eigentlich fokussieren sollte, da die Technologie mehrere Möglichkeiten auch außerhalb von pharmazeutischen Wirkstoffen eröffnete. In einer „Achterbahnfahrt“ wie Lukesch das rückblickend nennt, sei man parallel dazu auf gut 15 Mitarbeiter gewachsen, was einen Umzug in größere Räumlichkeiten in Wien nötig machte, musste überzeugende Daten zusammentragen und eine klarere Unternehmenspositionierung herausarbeiten. Das sei nun mit dem Fokus auf die ADC-Welt und die Entwicklung einer eigenen Pipeline an Wirkstoffen, die auch unterschiedliche Payload-Formate an einem Molekül tragen können, erfolgt. In der Folgefinanzierung von Altinvestoren und neuen Partnern sieht Lukesch auch eine Würdigung dieses nicht ganz einfachen Weges der vergangenen Jahre, bei dem österreichische Netzwerke wie LISAvienna gute Unterstützung gegeben hätten.

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Michael Rabenstein/Uniklinikum Erlangen